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Liedpredigt zum Lied "Wach auf mein Herz und singe!" RG 568
Pfarrerin Rita Famos
Wach auf mein Herz und singe
dem Schöpfer aller Dinge,
dem Geber aller Güter,
dem treuen Menschenhüter
„Wach auf!“, drängt der Wecker, aber meine Glieder sind schwer.
Ich mag die Wärme des Bettes nicht gegen die Kühle des Bodens tauschen.
Ich möchte noch nicht die Schwerelosigkeit des Schlafes gegen den Strudel das neuen Tages tauschen.
„Wach auf!“ drängen nun aber auch meine aufgeschreckten Gedanken. „Die Arbeit ruft!“
Ich möchte mich aber noch wegdrehen, die Augen schliessen.
Ich möchte weiterträumen vom Urlaub am Meer,
von den Bergen und den Sonnenstrahlen.
„Wach auf“, rufen die Kinder, wir müssen bald zu Schule!
„Wach auf!“ miaut die Katze, ich will mein Fressen.
Wach auf, Wach auf!
Unerbittlich werden wir jeden Morgen aus dem Schlaf gerissen. Die Pflicht, die Arbeit, die Kinder, die Katze…. Alle stehen am Bettrand und wollen etwas von uns.
Die erste Liedstrophe des Paul Gerhardt Liedes schickt uns aber noch ein anderes „Wach auf“ entgegen. „Wach auf mein Herz und singe dem Schöpfer aller Dinge!“
Wie wärs, fragt uns die Liedstrophe, wenn wir dem Ruf der Pflicht, der Arbeit, der Aufgaben noch für ein paar Augenblicke widerstehen und unsere Aufmerksamkeit auf etwas ganz anderes lenken. Nur vier kurze Zeilen lang dran denken:
Wach auf mein Herz und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem treuen Menschenhüter.
Noch bevor die Pflicht ruft, ist da einer, der dir den Tag schenkt. Es gibt einen, der dir all die Lebensgrundlagen gegeben hat, mit denen du nun gleich dein Tageswerk vollbringen wirst: die Lebenskraft, die Gesundheit, die Grundlage zum Leben.
Wie anders beginnt doch ein Tag, wenn wir auch nur 4 Zeilen lang – das sind etwa 20 Sekunden – bevor wir uns hineinstürzen in die Arbeit, dran denken, dass der Tag, der uns wartet ein Geschenk ist und behütet sein wird.
Wir singen Strophe 1
Als mich die dunklen Schatten
heut Nacht umfangen hatten.
hat Satan mein’ begehret;
Gott aber hat’s gewehret:
Du sprachst: „Mein Kind, nun liege;
der Feind dich nicht betrüge.
Schlaf wohl, lass dir nicht grauen;
du sollst die Sonne schauen.
Dein Wort, das ist geschehen;
Ich kann das Licht noch sehen.
Von Not bin ich befreiet,
dein Schutz hat mich erneuert.
Diese drei Strophen sind eine Rückblende auf die Nacht. Zur Barockzeit hatte man Angst vom Eintauchen in die Nacht. Wer schläft, lässt sich los, verliert die Kontrolle über Gedanken und Träume, taucht ein ins Unbewusste. Für den barocken Menschen war das gleichbedeutend mit sich der dunklen Macht des Teufels gleichzusetzen. Dort in der Nacht wartet der Teufel mit seinen Phantasien und Verführungen.
Wir modernen Menschen sehen nicht mehr den leibhaftigen Teufel am Bettrand sitzen. Aber die dunklen Schatten, die kennen wir doch schon.
Mir scheint es, wie diese drei Strophen von einer der vielen schlaflosen Nächte spricht, die so viele Menschen plagen. Schlafstörungen sind eine weitverbreitete Not.
Wenn wir uns zur Ruhe legen, dann kommen sie, die dunklen Schatten: Die Gedanken an all das, was wir am unerledigt liegen lassen mussten. Die Sorgen um die Kinder, Enkelkinder, und Verwandten. Der Chef, der beim letzten Gespräch zwischen den Zeilen von Entlassungen gesprochen hat, der Arzt, der beim letzten Termin die Stirne gerunzelt hat, die Nachbarin, die erwähnt, dass der Mietzins steigen wird. Teuflisch umkreisen sie uns, all diese Gedanken, sie drehen sich im Kopf und lassen uns nicht schlafen.
Von einer Nacht, die genauso beginnen will und droht, uns abzuholen in den Teufelskreis der Sorgen, spricht das Lied.
„Als mich die dunklen Schatten heut Nacht umfangen hatten…“
In dieser Nacht scheint jedoch ein Wunder geschenen zu sein: Gott hat den Teufelskreis durchbrochen. „Gott aber hat’s gewehret.“
Der Dichter scheint neben der Stimme von Kummer und Angst noch eine andere Stimme gehört zu haben: „Schlaf wohl, lass dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen.“
Genauso, wie der Tag anders aussieht, den wir mit dem Gedanken an den Schöpfer beginnen, genauso kann eine Nacht, die droht in Schlaflosigkeit abzustürzen, anders aussehen, wenn wir versuchen uns nicht diesen schlafraubenden Gedanken preiszugeben, sondern uns zu konzentrieren auf all das, was Gott uns verheisst: „Schlaf wohl, lass dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen.“
Manchmal werden uns diese Gegen-Gedanken geschenkt, manchmal müssen wir sie uns aufsagen, vorsagen, zureden. Mit Gedichten, Liedstrophen, Bibelversen die uns einfallen.
Die 4. Strophe spricht vom Morgen nach dieser zunächst schlaflosen Nacht:
Dein Wort – nämlich „du sollst die Sonne schauen“ – ist geschehen. Ich kann das Licht noch sehen. Von Not bin ich befreiet, dein Schutz hat mich erneuert.
Wir singen Strophen 2-4
7 Dein Werk an mir vollende
und einen Engel sende,
der mich an diesem Tage
auf seinen Händen trage.
8 Sprich ja zu meinen Taten,
hilf selbst das Beste raten:
den Anfang, Mitt und Ende,
ach Herr zum Besten wende.
Wir sind nun einen Morgenweg miteinander gegangen.
Zunächst haben wir uns vorgenommen uns nicht gleich in die Arbeit des Tages zu stürzen, sondern ein paar Gedanken an unsern Schöpfer zu verwenden, dann haben wir zurückgeschaut auf eine schlaflose Nacht, in der die Konzentration auf Gott und seine Verheissungen uns die nötige Ruhe geschenkt hat.
(Strophen 5 und 6 sprechen vom Dankopfer, auf die ich nun nicht näher eingehen werde.)
Und nun halten wir Ausschau auf den kommenden Tag.
Was sehen Sie, wenn Sie Ausschau halten auf den kommenden Tag, die kommende Woche? Viel Arbeit? Schöne Einladungen? Schwierige Gespräche? Ferien vielleicht?
Ein schönes Bild stellt Paul Gerhardt nun neben all die Dinge, die wir erwarten:
Einen Engel, der uns auf seinen Händen trägt. Sollte Gottes Engel uns wirklich auf Händen über die Schwelle des Tages tragen, wie ein Bräutigam seine Braut ins gemeinsame Haus trägt.
Und wollen wir es wagen, uns von Gottes Engel tragen zu lassen, in diesen Tag, in diese Woche, in unser Leben?
Beflügelt vom Engel, der uns trägt, können wir uns aufmachen zu frischen Taten. Möge Gott es segnen, unser Lebenswerk, das wir nach bestem Wissen und Gewissen zu verrichten suchen.
Amen
Liedpredigt zum Lied "Ist Gott für mich so trete gleich alles wider mich" RG 656
Pfarrerin Rita Famos
Liebe Gemeinde,
Was denken Sie, wann ist es wohl einfacher zu glauben? Wenn immer alles rund läuft, das Leben einem verwöhnt mit allem Angenehmen oder wenn das Leben uns herausfordert und uns mit Schicksalsschlägen hinterfragt.
Oft höre ich: Ich würde schon glauben, wenn ich nicht so viel Schweres erleben müsste, das mich an der Existenz Gottes zweifeln lässt.
Blicken wir aber in die Biografien der grossen Vorbilder christlichen Glaubens, dann sehen wir schnell, dass auch das Umgekehrte der Fall sein kann: Grosse Herausforderungen, Anfechtungen, Schicksalsschläge haben oft bewirkt, dass der Glaube gefestigt und gestärkt, ja vertieft wurde. Glaube, der sich reibt mit dem Leben, Glaube, der hinterfragt, bezweifelt, herausgefordert wird, wird oft tiefer, echter, lebendiger.
Am Anfang einer langen Reihe von christlichen Biografien steht das Leben des Apostels Paulus. Sein Leben hatte viele Rückschläge zu bezeichnen. Gegenspieler von verschiedenen Seiten haben Paulus oft angefeindet, hinterfragt, eingesperrt. Sie haben seinen Glauben aber nicht zerstört, sondern stark gemacht:
Römerbrief, Kapitel 8, schreibt er:
31: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
32 Der auch [a] seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. [a]
34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und [a] uns vertritt.
35 [a] Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?
36 wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen [a] werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«
37 Aber [a] in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.
38 Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch [a] Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
Vom leidgeprüften Paulus, der mit seinem Charisma und seinem Feuer für die Sache Jesu Christi vielerorts aneckte, hören wir hier also fast trotzig:
Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Paulus ist sich sicher: Wenn Gott an seiner Seite steht, kann ihn nichts mehr so schnell erschüttern. In seinem durch viel Herausforderung, Anfeindung, Anklage geprägtes Leben wuchs in ihm die Überzeugung: Nichts kann mich trennen von der Liebe Gottes.
Diese beinahe trotzigen, aber zumindest von tiefem Glauben strotzenden Worte hat Paul Gerhardt gewählt für eines seiner bekannten Lieder:
Paulus schrieb :
Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Gerhardt dichtet:
Ist Gott für mich so trete, gleich alles wider mich.
so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.
Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott
was kann mit tun der Feinde und Widersacher Rott?
RG 656,1
Geschrieben hat Paul Gerhardt dieses Lied in seiner Mittenwalder Zeit, an seiner ersten Pfarrstelle. Als Propst, das entspricht vielleicht dem heutigen zürcherischen Dekan, hatte er neben dem Versorgen des eigenen Pfarramtes, die Aufsicht über 11 andere Pfarreien seines Kirchspiels. Auf diese Weise kam er weit herum im damaligen Brandenburg und sah wie sehr die Bevölkerung gekennzeichnet war vom 30 jährigen Krieg, der von 1618 – 48 gewütet hatte. Aber auch die Pest hatte die vom Krieg geschwächte Bevölkerung heimgesucht. Als Pfarrer und Seelsorger dieser leidgeprüften Menschen und ihrer Pastoren hatte er eine keine leichte Aufgabe.
Aus dieser Zeit stammen die meisten der Gerhardtschen Liedtexte. Wollte er mit seinen allgemein verständlichen und eingängigen Texten seine von Krieg, Feuersbrunst und Pest gezeichnete Gemeinde stärken?
Wir wissen wenig über die Entstehung der einzelnen Gerhardt-Texte. Es missfiel der Bescheidenheit Paul Gerhardts, sein Leben und somit den Hintergrund seiner Lieder ins Zentrum zu rücken. Wichtig war ihm allein die Botschaft, nicht so sehr der Botschafter.
So schreibt er in der dritten Strophe unseres Predigtliedes:
Der Grund auf dem ich gründe, ist Christus und sein Blut;
Das machet dass ich finde das ewge wahre Gut.
An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd;
Was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.
(Str. 3)
Nicht er, Paul Gerhardt war wichtig. Christus, auf den er vertraut, soll Zentrum seiner Botschaft sein. Viel von seiner Bescheidenheit drückt durch diese Zeilen hindurch.
PGerhardt schreibt weiter in seinem Lied:
Sein Geist wohnt mir im Herzen, regiert mir meinen Sinn,
Vertreibet Sorg uns Schmerzen, nimmt allen Kummer hin,
gibt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft,
hilft mir das „Abba“ schreien aus aller meiner Kraft. (Str. 5)
So dichtet Paul Gerhardt um 1655 und seine nicht von Glück und Wohlstand verwöhnte Gemeinde wird diese ermunternden Worte dankbar angenommen haben. Denn schon 1655 werden 80 seiner erbauenden und tröstenden Lieder in dem Büchlein „Praxis Pietatis“ veröffentlicht. Das zeigt, wie gern und oft die Texte von Paul Gerhardt gesungen und gebetet wurden. Schon damals.
Der volksnahe Pfarrer wurde aber bald selber vom Leid heimgesucht. Seine erste Tochter, Maria Elisabeth, starb mir 14 Monaten im Jahre 1657. Nach dem frühen Tod der Eltern Paul Gerhadts war es ein weiterer von vielen traurigen Todesfällen im Leben des Dichterpfarrers. Von seinen 5 Kindern ist nur ein Sohn älter geworden als er selber. Auch von seiner Ehefrau musste er in einer Zeit Abschied nehmen, als er sie besonders gebraucht hätte. Ob er wohl an den Gräbern seiner Liebsten mit seinem eigenen Lied den heiligen Geist um Trost gebeten hat?
Sein Geist spricht meinem Geiste manch süsses Trostwort zu,
wie Gott dem Hilfe leiste, der bei ihm suchet Ruh,
und wie er hab erbauet ein edle neue Stadt,
da Aug und Herze schauet, was es geglaubet hat.
(Str 7)
Die wohl schwerste Zeit im Leben Paul Gerhardts erwartete ihn in Berlin, wohin er 1657 berufen wurde. Zunächst war es zwar eine Zeit beruflichen Glücks. An seiner neuen Pfarrstelle an der Nikolai-Kirche, war der bekannte Organist, Kantor und Komponist Johannes Crüger als Kirchenmusiker an seiner Seite. Eine fruchtbare Zusammenarbeit der beiden talentierten Persönlichkeiten bahnte sich an. Johann Crüger versah viele der Paul Gerhardt Lieder mit eingängigen Melodien, die bis zum heutigen Tag als Ohrwürmer in vielen Köpfen klingen.
(Wach auf mein Herz und singe RG 568
Jesu meine Freude RG 659
Ich singe dir mit Herz und Mund RG 723
Vertraut den neuen Wegen RG 843 ….)
Aber die Gewitterwolken brauten sich bald über dem evangelischen Berliner Himmel zusammen. Kurfürst Freidrich Willhelm, der sich als Calvinist zum evangelisch reformierten Glauben bekannte, erliess die Toleranzedikte. Darin wurden die evangelischen Pfarrer aufgerufen, einander tolerant zu begegnen. Es wurde ihnen verboten, gegen die anderen Konfessionen zu wettern und sie wurden angehalten, „das Wort lauter und rein“ zu predigen und sich aus konfessionellen Streitigkeiten herauszuhalten. Die Pfarrer – sowohl die evangelisch reformierten wie auch die evangelisch lutherischen – wurden gezwungen, die Toleranzedikte zu unterzeichnen. Wer das nicht tat, wurde des Amtes enthoben.
Paul Gerhardt, ein überzeugter Lutheraner, konnte sich diesen Edikten nicht beugen. Er wäre zwar der Letzte gewesen, der der Konfession wegen in einen Krieg gezogen wäre oder sonstige Gewalt angewendet hätte. Aber er wollte sich nicht den Mund verbieten lassen und wollte für seinen lutherischen Glauben überzeugend einstehen. Die Toleranzedikte rochen ihm zu sehr nach Verwässerung der Unterschiede, die Konkordienformel war seiner Ansicht nach zu Unrecht weggelassen worden.
Paul Gerhardt leistete dem grossen Kurfürsten Widerstand und unterzeichnete nicht, worauf er seine geliebte Nikolai Kirche verlasen musste.
Ob ihm seine, vor Jahren gedichtete Strophe unseres Predigtliedes die Widerstandskraft gegeben hat:
Die Welt, die mag zerbrechen, du stehst mir ewiglich;
Kein Brennen hauen Stechen, soll trennen mich und dich.
Kein Hunger und kein Dürsten, kein Armut, keine Pein,
kein Zorn der grossen Fürsten soll mir ein Hindrung sein.
Str. 9
Hinter diesen Worten spüren wir die grosse Widerstandkraft, die auch dem grossen Friedrich Willhelm die Stirne bot und nicht von seinem Standpunkt wich. Den Verlust des angesehen Berliner Pfarramtes nahm Gerhardt in Kauf. Er liess sich nicht beugen.
Seine letzten Jahre verbrachte Paul Gerhardt in Lübbe, in Kursachsen, nahe seiner Heimatstadt Gräffenheinichen. Hier lebt der alternde Pfarrer und Dichter in Zurückgezogenheit und Stille. Aus dieser Zeit sind auch keine neuen Liedtexte mehr bekannt.
Paul Gerhardt stirbt 1676. Das einzige Familienmitglied, das ihn überlebt ist sein Sohn Paul Freidrich. Ihm hinterlässt sein Vater ein „Testament“, einen Brief mit Lebenshilfen, die er kurz Paul Gerhardt kurz vor seinem Tod geschrieben hat. Er schliesst den Brief mit den Worten:
Summa: bete fleissig, studiere was Ehrliches, lebe friedlich, diene redlich und bleibe in deinem Glauben und Bekenntnis beständig, so wirst du einmal auch sterben und von dieser Welt scheiden willig, fröhlich und seliglich. Amen.
In diesen Worten an seinen damals 14 jährigen Sohn hören wir ihn noch einmal deutlich heraus, diesen Willen zum Widerstand gegen alle Unwiderlichkeiten des Lebens: „bleibe in deinem Glauben und Bekenntnis beständig.“ , mahnt er seinen Sohn. Erst dann kannst du guten Gewissens, fröhlich und selig sterben.
Klingen hier nicht noch mal die Worte aus früheren Jahren an: Ist Gott für mich so trete gleich alles wider mich?
Sein Widerstandslied gipfelt wie die Summe seine Vermächtnisses an seinen Sohn im Glauben, dass alles Weltliche schlussendlich nicht zählt sondern einzig und allein der wahre Glaube:
Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne die mir lachet, ist mein Herr Jesu Christ;
das, was mich singen machet, ist was im Himmel ist.
Str. 11